"Blindes Vertrauen" beim Teamausflug

Am Freitagabend, 9. Juni 2017, versammelte sich ein kleines Grüppchen vor dem Spielgruppen-Lokal an der Bahnhofstrasse. Alle waren gespannt darauf, was wir beiden Karin’s uns wohl ausgedacht hatten, denn auf der Einladung wurde nur wenig verraten. Ein Anhaltspunkt war: “Habt blindes Vertrauen“. Was das auch immer heissen mochte…. Bevor wir uns auf zwei Autos verteilten, verriet Karin Utzinger, dass wir nach Landschlacht fahren, dort im Blindenzentrum (IBZ) erwartet würden und uns ein sinnlicher Abend bevor stünde.

Im IBZ wurden wir von Roland, Mitarbeiter im Zentrum, empfangen. Roland, selber stark sehbeeinträchtigt, erklärte uns, dass als erstes ein Apéro in der Unsichtbar auf dem Programm stünde. Leider waren von uns nicht alle gekommen die sich angemeldet hatten. Unser Gastgeber hatte aber Verständnis und meinte: dafür sei es angenehmer in der Bar und wir würden uns bei völliger Dunkelheit sicher nicht in die Quere kommen. Na ja, angenehm…?  Es war uns zuerst eher mulmig zumute, als wir die Kellertreppe runter, durch einen dicken, schwarzen Vorhang, in die stockdunkle Bar geführt wurden. Doch Roland ermutigte uns. Barbara, ebenfalls sehbehindert, stand hinter der Bar und nahm unsere Wünsche entgegen. Nun hiess es erst einmal das Glas nicht aus den Augen verlieren, äääh besser gesagt, nicht aus den Händen zu lassen und tastend die Bistrotische mit den Chips zu finden. Beim Versuch uns gegenseitig zuzuprosten waren wir uns schnell einig, dass ein „Blinden-Apéro“ eine äusserst spezielle und spannende Sinnes-Erfahrung ist. Roland informierte uns zwischendurch über das IBZ, was blind sein bedeuten kann und unterhielt uns mit amüsanten Anekdoten. Seine humorvolle Art munterte uns auf, die Komfortzone Bistrotisch zu verlassen und tastend den Raum zu erkunden. Dabei stiess man immer wieder, statt auf ein Stück Wand, tastend auf ein Gspänli - oups! Die dafür vorgesehene 1/2 Stunde war im Nu um. Sich annähernd ein Bild zu machen wie es wohl für Blinde ist, war eine tolle neue Erfahrung für uns alle. Draussen bei Tageslicht mussten sich die Augen zuerst wieder an die Helligkeit gewöhnen. Zum Glück ging dies schnell, denn es wäre schade gewesen, die nächste Sinneserfahrung nur zu schmecken und zu riechen. Wie heisst es so schön: Man isst auch mit dem Auge. Wir genossen das feine 3-Gang-Menu ganz bewusst und waren sehr angetan von der offenen und lieben Art der Mitarbeiter am IBZ. Ein lässiger, amüsanter Abend neigte sich seinem Ende zu, mit vollen Bäuchen, neuen Erkenntnissen und bei angenehmer Dunkelheit machten wir uns auf den Heimweg. 

 

Karin Stauffiger